Beobachtungen in Gelsenkirchen – Kommentar von Dennis
Fussballdeutschland 2008
Ein polnischer Einwanderer schießt für die DFB-Elf zwei Tore gegen Polen und knappe 150 Premiumteutonen singen in Klagenfurt, dass „alle Polen einen Stern“ tragen sollen.
In Gelsenkirchen hingegen singen ganz „normale“ junge Männer, Jeans&Poloshirt, Modell „Fachhochschüler“, alkoholisiert und euphorisch „Schwarz-weiß-rot ein Leben laaang“, während sie durch die Innenstadt ziehen.
Hurra, wir sind wieder wer! Während Warmduscher wie die Türken und Portugiesen unverschämterweise in Gelsenkirchen-Ückendorf den Sieg von Portugal gemeinsam und friedlich feiern, zeigen tüchtige Deutsche, wie man Hardcore-Nationalmannschaftsfan ist: Man darf ja endlich wieder. Einige Wochen lang fungiert die DFB-Elf wieder als Katalysator für den ganzen Frust des bundesdeutschen Durchschnittsbürgers. Sämtliche Sachverhalte und Zusammenhänge, die ansonsten alltäglich zu kompliziert erscheinen, dürfen wieder sinnfrei verkürzt und gegröhlt werden. Super Deutschland, super Deutschland, super Deutschland, oleee oleee. Und wie toll ist es doch, Teil der Siegermächte, Verzeihung, Sieger zu sein. Hier erblüht wieder das Nationalgefühl, welches wir kennen und schätzen, jenes Gefühl, welches mit dem Fußball oder gar Einigkeit-und-Recht-und-Freiheit sehr wenig zu tun hat: Das simple diffuse Gefühl des „Deutschseins“, dessen Merkmal die Ablehnung des „Andersseins“ ist.
Hätte Podolski das vorher gewusst, er hätte die Buden dem Lehmann in den Kasten gesetzt.
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